Bautipps

Mein Lebenspartner und ich haben unser Tinyhaus zusammen mit einem Schreiner selbst gebaut. Wir kommen beide nicht vom Fach, würden aber unser Tinyhaus (bis auf ein paar kleine Veränderungen) genauso wieder bauen.

Wir leben seit Mai 2017 in unserem Tinyhaus und haben harte Winter, Sturm und heiße Sommer in ihm erlebt.

Hier ein paar Tipps, die ihr bei einem Tinyhausbau oder -kauf hilfreich finden könntet:

  • Das Wichtigste ist die Isolierung. Sie sollte mindestens 10 cm in jeder Wand, Fußboden und Decke haben und ein Material, dass die Wärme speichert. Optimal ist eine Isolation, die umweltfreundlich ist. Wir haben uns für Steinwolle entschieden, da sie einen guten Dämmwert hat. Nicht zu empfehlen ist Styropor. Es gibt zwar inzwischen eine biologisch abbaubare Variante, jedoch erwärmt es sich nicht. Das Haus verliert sofort wieder an Wärme, wenn die Heizquelle aus ist.
  • Zweite Ebene: Zu beachten ist, dass die Wärme nach oben steigt. Das bedeutet, wenn oben geschlafen wird ist es zu jeder Jahreszeit warm im Schlafbereich. Es gibt Varianten, in der das Schlafzimmer unten und der Wohnbereich oben drüber ist. Das macht mehr Sinn.
    Wir haben uns damals bewusst dagegen entschieden. Unser Haus hat eine Raumhöhe von 2,40m.
  • Heizung: Holz, Gas, Elektro?
    Auf meinem Grundstück sind alle drei Möglichkeiten erlaubt. Wichtig ist aber zu wissen, dass bei Gas- und Holzbefeuerung einmal im Jahr der Schornsteinfeger kommt und jedesmal mindestens 60€ kostet. Außerdem muss alle 10 Jahre eine Gasprüfung gemacht werden.
    Eine Gastherme und Gasheizung dürfen keine Innenluft ziehen, sondern müssen Frischluft von außen anziehen und die Abgase auch wieder nach außen abgeben.
    Die Gasflaschen müssen draußen in einem Gasschrank aufbewahrt werden. Dieser ist von dem Pachtenden selbst zu stellen.
    Die Gasflaschen müssen vom Parkplatz bis zum Haus transportiert werden. Ich plane einen Bollerwagen bereit zu stellen, mit dem Einkäufe oder eben Gasflaschen oder auch das Holz zum Verfeuern transportiert werden können.
    Strom ist eine weitere Variante des Heizens. Es fallen die üblichen Kosten für Strom an.
  • Küchen, Einbauschränke, Kühlschränke, Spülmaschine und Waschmaschine:
    Stellt euch die Frage: Was brauche ich wirklich? Je größer die Küche, umso weniger Wohnraum bleibt.
    Einbauschränke sind praktisch, jedoch bedenkt, dass jeder Schrank eine Kältebrücke sein kann, in der die Luft kälter ist als im Wohnraum ist und somit Schwitzwasser und dann Schimmel entstehen kann. Einbauschränke sollten auf keinen Fall in den unteren Ecken des Hauses verbaut werden, weil es dort meistens am kältesten und feuchtesten ist.
    Kühlschrank: Wir haben uns bewusst gegen einen Kühlschrank entschieden. Ich weiß, dass ist nicht jederpersons Sache, jedoch bedenkt, dass ein Kühlschrank immerzu Energie benötigt und mit Strom betrieben auch eine ständige Lärmquelle ist. Ich empfehle hier entweder einen lärmarmen Gaskühlschrank zu wählen, einen kleinen Hauswirtschaftsraum zu schaffen oder den Kühlschrank außerhalb vom Haus unterzubringen, z.B. in einer Gartenhütte.
    Spülmaschine: Wir haben keine.
    Für eine Spülmaschiene braucht es auch das nötige Geschirr sie zu füllen, was wiederum Platz in der Küche nimmt. Auch hier wieder die Lärmquelle, wenn sie läuft.
    Eine Waschmaschine ist unabdingbar. Es wird auf meinem Grundstück keine zentrale Möglichkeit geben wo ihr Wäsche waschen könnt. Bitte plant sie mit ein.
  • Schwitzwasser: Ist immer wieder ein Problem in kleinen Räumen, in denen man schläft und Wäsche trocknet.
    Wäsche am besten im Badezimmer trocknen. Hier ist wiederum wichtig, dass das Bad ein seperater Raum mit einer Tür ist, damit der Dampf der Dusche nicht in den Wohnraum ziehen kann.
    Isoliert das Haus mit diffusionsoffener und diffusionsgeschlossener Folie, damit die Feuchtigkeit nicht im Raum sondern in den Wänden ist und dort abtropfen und trocknen kann.
  • Garderobe und Müll: Wo macht es Sinn?
    Unsere Garderobe ist drinnen, da ich es als unangenehm empfinde in kalte Schuhe oder Jacken zu steigen. Aber ich kann verstehen, wenn aus Platzgründen die Garderobe draußen angebracht wird.
    Für den Müll haben wir Platz in der Küche geschaffen. Ich bin ein bequemer Mensch und will nicht für jeden Schnipsel Papier nach draußen müssen. Bedenkt auch, dass bei jedem Öffnen der Tür Wärme verloren geht. Außerdem kann der Müll Ungeziefer anlocken, wenn er draußen steht.
  • Trailer: Ja, es gibt 11m-Tailer und nein, die sind auf meinem Grundstück nicht erlaubt. Ich verstehe, dass manche so viel Wohnraum wie möglich ausschöpfen wollen. Auf meinem Grundstück darf das Tinyhaus maximal 8,20m lang (7,20m-Trailer + Überhang), maximal 3 m breit sein und maximal 4m hoch.
    Bedenkt auch, dass es die Traglast von 3,5 Tonnen nicht überschreiten darf. Jedenfalls nicht, wenn ihr es auch auf der Straße transportieren wollt.
    Es kann mit einem Tieflader bis zum Grundstück transprotiert werden, auf dem Grundstück muss es aber von uns rangiert werden können.
    TÜV: Ladung oder fest auf dem Trailer verbauen? Wir haben das Tinyhaus als Ladung verbaut (lt. TÜV muss es von Hand – mit Schraubenschlüssel – vom Trailer gelöst werden können), damit nur der Trailer vom TÜV abgenommen werden muss. Das Haus vom TÜV abnehmen zu lassen ist in Niedersachsen schwierig. Bitte erkundigt euch nach den aktuellen Bestimmungen.
    Auf meinem Grundstück braucht ihr natürlich keine Zulassung.
    Wichtiger Hinweis für mein Grundstück: Die Stellplätze sich rechts und links vom Weg. Wenn ihr beispielsweise einen Stellplatz auf der linken Seite haben wollt, ist eure Deigsel rechts. Das bedeutet, eure Haustür sollte auch auf der Seite sein, die nach vorne zeigt.
    Wir haben unsere Deigsel links und unsere Haustür ist auf der Seite. Das bedeutet, dass wir auf der rechten Seite des Grundstücks stehen werden.
    Wenn ihr die Haustür vorne oder hinten haben (auf der Deigsel oder an der Hinterwand), ist es egal auf welchem Stellplatz ihr steht.
  • Ein Blick von Außen auf das Tinyhaus: Ich empfehle hier eine Verschalung aus Lerche oder Douglasie, die man nicht streichen muss. Es gibt Farben, die eine lange Haltbarkeit versprechen. Meine Erfahrung ist aber, dass nach 2 Jahren Sonneneinstrahlung die Farbe anfängt die blättern und neu gestrichen werden muss. Aber das steht jedem frei. Auf dem Grundstück ist es eher feucht. Das Haus/Dach kann Moos ansetzen.
    Fenster: Wir hatten uns für Kunststofffenster entschieden, da wir nicht streichen wollten. Die Fenster sollten groß genug sein, damit viel Sonne herein kommt. Wir können im tiefsten Winter tagsüber die Heizung ausstellen, wenn die Sonne scheint. Die Grundstücke sind alle nach Süd-Osten ausgerichtet und eigenen sich wunderbar für große Fenster!
    Dreifachverglasung wird zu schwer. Zweifachverglasung reicht völlig aus. Einfachverglasung isoliert nicht gut genug.
    Wenn ihr baut: Fenster haben die längste Lieferzeit (ca. 6 Wochen – von einem normalen Holzvorkommen abgesehen) und müssen als erstes vor dem Bau bestellt werden, damit sie zeitnah eingebaut werden können.
  • Ein autarkes Tinyhaus ja oder nein? Auf meinem Grundstück besteht Anschlusspflicht. Es muss also Abwasser abgeführt werden. (Mit einer Waschmaschine sowieso.) Solar könnt ihr auf das Dach machen, bedenkt aber, dass auf und neben dem Grundstück Bäume stehen, die Schatten werfen.
  • Tinyhausbauer: Viele bauen ihre Häuser nicht für das ganzjährige Bewohnen. Sie isolieren nicht dick genug, haben oft keine Anschlüsse für eine Waschmaschine und legen ihre Häuser darauf aus, dass sie hübsch aussehen. Aber niemand will in einer Puppenstube leben. Ist es praktisch und funktionell? Meistens nicht. Macht euch vorher Gedanken, was ihr wollt und braucht. Keine Kompromisse! Wer für lange Zeit in einem Tinyhaus wohnen will, sollte keine Kompromisse beim Kauf oder Bau eingehen.
    Wenn ihr das alles beherzigt, kann euch jeder Schreiner ein Tinyhaus bauen.
  • Ich berate euch auch gerne und mache euch eine Zeichnung. Ich nehme 75€/Std.